El Niño deutlich abgeschwächt

Ende des vergangenen Jahres stiegen die Wassertemperaturen im zentralen und östlichen tropischen Pazifik deutlich an und ein schwaches El Niño-Warmereignis stellte sich seitdem ein. Nun scheint sich El Niño plötzlich deutlich abzuschwächen. Ob sich daraus bereits das Ende des Warmwasserphänomens ableiten lässt, ist noch offen. Einiges spricht aber dafür. Oft hat El Niño weit reichende Auswirkungen auf das Wettergeschehen rund um den Pazifik, aber auch auf die Hurrikanaktivität auf dem Nordatlantik.




Oceanic Nino Index (OCI), Dreimonatsmittel, Quelle: CPC/NOAA

Die Grafik zeigt die Entwicklung des Oceanic Nino Index (OCI) seit 2008. Der Index beschreibt die Temperaturabweichung in der Pazifikregion zwischen 5 Grad nördlicher und südlicher Breite sowie zwischen 120 und 170 Grad westlicher Länge. Die Temperaturen werden über drei Monate hinweg gemittelt. Abweichungen von 0,5 Grad und mehr werden farbig dargestellt. Im Herbst 2018 erreichten die Abweichungen die 0,5-Grad-Grenze. Zuletzt wurde 2015/16 ein lang anhaltender El Niño beobachtet.

Wassertemperaturen Ende Februar und Abweichungen vom Mittel, Quelle: CPC/NOAA

Die Wassertemperaturen im tropischen Pazifik. Wie üblich liegen die Temperaturen im Westpazifik bei und über 30 Grad, während es vor der südamerikanischen Pazifikküste deutlich kälter ist. Im unteren Bild sind die Abweichungen zu den langjährigen Mittelwerten dargestellt. Entlang des östlichen tropischen Pazifiks sind die Abweichungen nur noch gering.

Entwicklung der Wassertemperaturen seit Februar 2019, Quelle: CPC/NOAA
Entwicklung der Wassertemperaturabweichungen seit Februar 2019, Quelle: CPC/NOAA

In den vergangenen Wochen sanken die Wassertemperaturen vor allem im Ostteil des tropischen Pazifiks deutlich ab. Gebietsweise liegen sie nur noch im Bereich der langjährigen Mittelwerte.

Entwicklung der Wassertemperaturabweichungen mit der Wassertiefe seit März 2019, Quelle: CPC/NOAA

Betrachtet man dazu noch die Wassertemperaturen nicht nur an der Oberfläche, sondern auch in größeren Tiefen, dann fällt auf, dass vor allem im östlichen Pazifik die Werte in jüngster Zeit zum Teil deutlich abgesunken sind.

Oceanic Nino Index (OCI), Dreimonatsmittel, Quelle: CPC/NOAA

Noch einmal der Oceanic Nino Index (OCI) als Dreimonatsmittel in Tabellenform. Im April ergab sich ein relativ deutlicher Rückgang. Der Wert lag gerade noch an der Grenze zu einem El Niño-Warmereignis.

El Niño-Vorhersagen verschiedener Modelle, Quelle: CPC/IRI

Die Vorhersagen der verschiedenen Modelle weichen wie üblich recht stark voneinander ab. Bei den meisten Prognosen aus dem März lagen die Wassertemperaturen im zentralen und östlichen tropischen Pazifik weiterhin über dem Mittelwert mit einer leicht abnehmenden Tendenz. Der aktuelle Rückgang ist in den Modellen noch gar nicht berücksichtigt.

El Niño-Vorhersagen verschiedener Modelle, Quelle: CPC/NOAA

Die neuesten Berechnungen des CPC lassen den Höhepunkt des El Niño-Ereignisses erst noch kommen, was ebenfalls gegen die aktuellen Daten steht. Man muss weiterhin abwarten, ob sich der herrschende El Niño weiter abschwächt oder ob er sich in den kommenden Monaten regenerieren kann. Die aktuellen Daten sprechen eher für ein Ende von El Niño.

Auswirkungen von El Niño, Quelle: PMEL/NOAA

El Niño hat oft weit reichende und globale Auswirkungen. Deutlich trockener ist es meist im südlichen Afrika, in Südostasien und Australien. Mehr Niederschlag fällt oft entlang des tropischen Pazifiks, besonders ab der Datumsgrenze und weiter östlich bis zur südamerikanischen Küste. Die Neigung zu Hitzewellen in Teilen Australiens ist erhöht. Während due Hurrikanaktivität auf dem nordöstlichen Pazifik stärker ist, erzeugt El Niño auf dem Nordatlantik oft ungünstige Höhenwinde und die Aktivität wird hier eher unterdrückt. Welche Auswirkungen El Niño in Europa hat, ist noch nicht genau bekannt.

Mit El Niño bezeichnet man ein Phänomen, bei dem sich das Wasser im zentralen und östlichen tropischen Pazifik stark erwärmt und sich die übliche Zirkulation im pazifischen Raum umstellt. Da diese Erwärmung seinen Höhepunkt meist zur Weihnachtszeit erreichte, wurde sie El Niño getauft, was in Südamerika für das Christkind steht. Für die örtlichen Fischer bedeutete sie das Ende der Fischfangsaison und war lange Zeit ein jährlich wiederkehrendes Ereignis. Inzwischen versteht man unter El Niño nur noch ein ungewohnt starkes Warmwasserereignis. Das Gegenteil von El Niño wird La Niña genannt.

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