Hurrikan IOTA in Nicaragua

Der extrem starke Hurrikan IOTA hat die Küste von Nicaragua in Mittelamerika erreicht. Das Auge des gewaltigen Sturms traf etwa 45 Kilometer südlich der Stadt Puerto Cabezas auf die Küste und damit in derselben Region wie erst vor zwei Wochen der starke Hurrikan ETA. Über Land dürfte sich der Hurrikan rasch abschwächen, bleibt aber weiter sehr gefährlich durch heftige Regenfälle mit Überschwemmungen und Erdrutschen.




Animation der Satellitenbilder des Hurrikans IOTA, Quelle: Tropical Tidbits

Gegen 04:40 MEZ traf das Auge des Hurrikans nahe der Ortschaft Haulover (ca. 300 Einwohner) auf die Küste. Am 03. November zog der Hurrikan ETA nur etwa 25 Kilometer weiter nördlich an Land.

Hurrikans IOTA kurz vor dem „landfall“, Quelle: NASA

Der Hurrikan IOTA hatte am Montag (16. November) mit mittleren Windgeschwindigkeiten bis etwa 260 km/h zeitweise die höchste Kategorie 5 der Hurrikanskala erreicht. Kurz bevor er auf Land traf, schwächte er sich durch interne Prozesse geringfügig ab, lag aber immer noch im oberen Bereich der Kategorie 4 mit mittleren Windgeschwindigkeiten bis etwa 240 km/h. In den bis ins Jahr 1851 zurückreichenden Aufzeichnungen ist kein Atlantikhurrikan bekannt, der in einem November in dieser Intensität auf Land traf.

IOTA war nicht nur der 30. Sturm in der Saison 2020, er verstärkte sich auch unglaublich schnell und reiht sich damit in historische Hurrikane ein. Innerhalb von nur 24 Stunden fiel der Luftdruck im Zentrum von IOTA um 61 Hektopascal. Nur in drei anderen Hurrikanen wurde ein derartiger Luftdruckabfall registriert:  In Gilbert 1988, Rita 2005, and Wilma 2005 – IOTA ist aber der einzige, der dies in einem November schaffte.

Damit setzt sich auch die Reihe der Jahre mit extrem starken Hurrikanentwicklungen fort. Im fünften Jahr in Folge gibt es mindestens einen Atlantikhurrikan der Kategorie 5 – auch dies ist ein neuer Rekord in der bis 1851 zurückreichenden Statistik. In 2016 war dies der Hurrikan MATTHEW, in 2017 IRMA und MARIA, in 2018 MICHAEL, in 2019 DORIAN und LORENZO und in 2020 IONA (weitere Kategorie 4-Hurrikane in 2020 werden noch analysiert). Nach Angaben des Weather Channels war IOTA der zweitstärkste November-Hurrikan seit Beginn der Aufzeichnungen, stärker war nur ein Hurrikan im November 1932 mit Windgeschwindigkeiten bis etwa 280 km/h, der später Kuba traf.

Zuvor hatte der Hurrikan IOTA bereits einige Inseln in der südwestlichen Karibik getroffen, darunter die zu Kolumbien gehörenden Inseln Providencia und San Andres. Das Video zeigt extreme Wellen an der Küste von San Andres.

Die herkömmliche Namensliste auf dem Atlantik ist in diesem Rekordjahr längst aufgebraucht und griechische Namen kamen zum Einsatz. Die nächsten Stürme würden ebenfalls Namen aus dem griechischen Alphabet bekommen und damit Kappa, Lambda etc. heißen.

Wir hatten den Fall schon einmal: Im Jahr 2005 kamen nach dem Durchlauf der Namensliste ebenfalls das griechische Alphabet zum Einsatz, die Stürme/Hurrikane hießen also Alpha, Beta, Gamma, Delta, Epsilon und Zeta. Man darf gespannt sein, bis zu welchem Buchstaben wir in diesem Jahr kommen.

Ein Problem ergibt sich, weshalb für die Zukunft vielleicht ein neues Namenssystem für den Atlantik erstellt werden muss. Sind die Auswirkungen durch einen Sturm/Hurrikan besonders schlimm (viele Tote und/oder große Schäden) wird der Sturmname auf Antrag des betroffenen Staates aus den Listen gestrichen und nicht wiederverwendet. Was passiert, wenn nun ein Sturm mit einem Namen aus dem griechischen Alphabet gestrichen werden soll? Eine berechtigte Frage, die bisher nicht geklärt ist. Nach dem aktuellen Stand können solchen Namen nicht ausgemustert werden. Eine mögliche Lösung für die Zukunft wäre eine Hilfsliste mit Namen, die nur zum Einsatz kommen, wenn die herkömmliche Namensliste aufgebraucht ist.

Bisher bildeten sich in diesem Jahr 30 Tropische Stürme, von denen sich 13 zu Hurrikanen und mindestens 6 zu starken Hurrikanen entwickelten. Offiziell dauert die Hurrikansaison auf dem Nordatlantik von Anfang Juni bis Ende November mit dem Höhepunkt in den Monaten von August bis Oktober. Im langjährigen Mittel werden etwa 12 Stürme registriert, davon 6 Hurrikane und davon drei starke Hurrikane mit mittleren Windgeschwindigkeiten von 180 km/h und mehr. Die Hurrikansaison 2020 gehört zusammen mit 2005 zu den aktivsten seit Beginn der Aufzeichnungen, nach der Anzahl der Stürme liegt 2020 inzwischen vorn.

Nicht gezählt wurde bisher ein möglicher Sturm vor Afrika: Zwischen den Kapverdischen Inseln und der afrikanischen Westküste hatte sich Ende Juli ein tropisches Tief gebildet, das zumindest kurzzeitig auch Sturmstärke erreicht haben dürfte. Beim darauf folgenden Update des National Hurricane Centers war der Sturm bereits wieder schwächer und bekam so keinen Namen. Möglicherweise wird dieser Sturm noch nach dem Ende der Saison zu der Liste für 2020 hinzugefügt.

Titelbild: NASA

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