Rieseneisberg hält sich lange

Vor knapp drei Jahren löste sich in der Antarktis ein riesiger Eisberg vom Eisschelf Larsen C und machte sich auf eine lange Reise durch das Südpolarmeer. Der Eisberg war damals 175 Kilometer lang und bis zu 55 Kilometer breit, er war etwa doppelt so groß wie das Saarland. Im ersten Jahr bewegte sich der Riesenkoloss nur langsam, dann wurde er etwas schneller und hält sich nach aktuellen Satellitenbildern der NASA bis heute fast unverändert.




Eisberg A68-A am 11.09.2017 am Rande des Eisschelfs Larsen C, Quelle: NASA

Spektakuläre Bilder gingen im Frühjahr 2017 durch die Medien, Bilder zeigten einen mehr als 100 Kilometer langen Riss durch das Eisschelf Larsen C, der auch an der deutschen Neumayer-Forschungsstation verfolgt wurde. Im Sommer war es dann soweit, ein gigantischer Eisberg entstand und driftete langsam vom Eisschelf weg. Im Satellitenbild vom September 2017 sieht man schon deutlich den komplett abgebrochenen Eisberg.

Eisberg A68-A am 30.07.2017 und am 01.07.2018, Quelle: NASA

Im ersten Jahr legte der größte Teil des Eisbergs nur eine Strecke von etwa 45 Kilometern zurück. Im Norden brach ein Stück ab und wurde zum Eisberg A-68B, der etwas schneller vorankam.

Eisberg A68-A am 09.04.2020, Quelle: NASA

Viele Eisberge in der Antarktis halten sich Jahre, manche sogar Jahrzehnte. Drei Jahre ist A-68A nun unterwegs und hat bereits eine beeindruckende Reise hinter sich. Am 9. April 2020 hat das MODIS (Moderate Resolution Imaging Spectroradiometer) auf dem Terra-Satelliten der NASA dieses Bild von A-68A aufgenommen, der aktuell etwa 230 Kilometer west-südwestlich der South Orkney Islands liegt. Der 95 Meilen lange Eisberg scheint die 80 Meilen lange Inselkette in den Schatten zu stellen.

In diesem Bild befindet sich die A-68A etwa 500 Meilen von der Stelle entfernt, an der er sich im Juli 2017 vom Larsen C-Schelfeis gelöst hat. Die Reise verlief jedoch nicht genau direkt. In seinem ersten Jahr bewegte sich der Eisberg nur 45 Kilometer, als die Gezeiten den Eisblock hin und her bewegten und ihn gelegentlich gegen einen Felsvorsprung auf der Antarktischen Halbinsel schlugen. Die starken Strömungen der Region haben schließlich gewonnen und der Eisberg schlängelt sich seitdem nach Norden durch das Südpolarmeer.

A-68A scheint in den vergangenen Wochen deutlich abgebremst zu sein und sich zu drehen, ohne sich weit zu bewegen. Der NASA / UMBC-Glaziologe Christopher Shuman glaubt, dass der Berg in einer zirkulierenden Wassermasse oder einem so genannten „Gyrus“ (aus dem griechischen für Runde, Rundgang) gefangen sein könnte. Christopher Readinger, Wissenschaftler am US National Ice Center (USNIC), stimmt zu, dass ein Gyrus oder ein kleinerer Wirbel die Bewegung des Berges erklären könnte. „Dies ist ein Verhalten, das wir schon oft bei anderen Eisbergen stromabwärts der Halbinsel gesehen haben“, sagte Readinger. „Sie fangen einfach ohne ersichtlichen Grund an zu kreisen.“

Eisberge, die durch dieses Gebiet ziehen, werden schließlich nach Osten geschoben, wenn sie auf den mächtigen antarktischen Zirkumpolarstrom treffen, der durch die Drake-Passage fließt. Von diesem Punkt an kann das Eis nach Norden in die wärmeren Gewässer des Südatlantiks peitschen – eine Region, in der Eisberge schmelzen, zusammenbrechen und schließlich sterben. Das war das Schicksal vieler Fragmente eines anderen Eisbergs, B-15. Der Berg in Connecticut-Größe war der größte, der jemals von Satelliten gemessen wurde, aber 20 Jahre nach dem Verlassen des Ross-Schelfeises ist nur noch ein Stück groß genug, um von der USNIC verfolgt zu werden.

A-68A ist noch nicht ganz so weit. „Ich bin überrascht, wie gut es zusammenhält“, sagte Readinger. „Es ist jetzt seit ein paar Monaten in wärmerem Wasser und es ist nicht gerade ein sehr dicker Berg, also gehe ich davon aus, dass er bald aufbrechen wird, aber er zeigt noch keine Anzeichen dafür.“

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