Sturmtief oder Tropensturm?

Manchmal sind die Grenzen zwischen tropischen Wirbelstürmen und den Sturmtiefs der mittleren Breiten fließend. Recht häufig wandelt sich ein Tropensturm oder Hurrikan in ein außertropisches Sturmtief um, das auch das Wetter in Europa beeinflussen kann. Auch der umgekehrte Fall kommt in jedem Jahr vor, wenn sich ein außertropisches Tief über warmem Wasser in einen Tropensturm umwandelt. Aktuell vollzieht ein Tief auf dem Atlantik eine Gratwanderung zwischen einem Tropensturm und einem Sturmtief.




 

Erwartete Zugbahn des potenziellen Sturms, Quelle: NHC

Bereits am vergangenen Dienstag (22.11.) beobachtete das National Hurricane Center (NHC) in Miami ein außertropisches Tief über dem westlichen Atlantik mit Kurs in Richtung Osten bis Nordosten. Es sah dabei eine Wahrscheinlichkeit von 20 Prozent, dass sich das Tief in einen tropischen Wirbelsturm umwandeln könnte.

Die Chancen in den Übersichten des NHC sanken in den Tagen darauf bis nahe 0 Prozent. Dennoch nahm das Tief weit draußen auf dem Atlantik im Seegebiet südlich bis südöstlich der kanadischen Provinz Nova Scotia einige tropische Eigenschaften an. Hoch reichende Wolken wurden um das Zentrum des Tiefs herumgeführt, fast deutete sich ein Auge an.

Satellitenmessungen am Sonntag (25.11.) ergaben rund um das Tiefzentrum mittlere Windgeschwindigkeiten von 35 bis 40 Knoten, dies entspricht 65 bis 75 km/h. Damit wäre die Schwelle für die Einstufung als Tropischer oder Subtropischer Sturm erfüllt. In den Stunden darauf war das Tief noch symmetrischer organisiert und dürfte noch höhere Windgeschwindigkeiten aufgewiesen haben. Ist Windstärke 8 (ab ca. 63 km/h) im Mittel erreicht, bekommt ein Sturm einen Namen von der offiziellen Namensliste.

Die Animation der Satellitenbilder vom Montagmorgen (26.11.) zeigt, wie sich die Wolken um das Zentrum geradezu herumwickeln und kurzzeitig ein augenähnliches Gebilde entsteht. Das Tief dürfte sich aber nun rasch in einen beeindruckenden außertropischen Sturmwirbel umwandeln, das zeitweise einen Kerndruck um 955 Hektopascal aufweisen dürfte.

Wassertemperaturen im westlichen Atlantik, Quelle: NOAA

Die Wassertemperaturen in dem Seegebiet weit südlich bis südöstlich von Nova Scotia liegen derzeit zwischen 20 und 25 Grad, was für eine subtropische oder tropische Sturmbildung ausreichen würde. Denn anders als in vielen Veröffentlichungen dargestellt, muss die Wassertemperatur nicht bei 26 bis 27 Grad oder höher liegen. Entscheidend ist der vertikale Temperaturgradient. Liegt in der Höhe kältere Luft, kann sich ein Tropensturm oder Hurrikan auch über kühlerem Wasser bilden. So gab es auch schon Stürme und Hurrikane im Bereich Azoren – Madeira – Kanarische Inseln.

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