Stausee in New Mexico fast leer
Nachdem John Glenn 1962 die Erde umkreist hatte, bemerkte er ein bewässertes Tal nordwestlich von El Paso (Texas), das sich deutlich von der umliegenden Wüste abhob. Vom Menschen angelegte Seen entlang des Rio Grande ermöglichten den Ackerbau und verwandelten – wie Glenn beobachtete – ein ansonsten trockenes Gebiet in eine grüne Landschaft. Mit Hilfe der Bewässerung bauen die Landwirte dort Kulturen wie Luzerne, Baumwolle, Zwiebeln, Pekannüsse und die regionale Spezialität an: grüne Hatch-Chilis. Nun ist all dies aber in Gefahr: Denn wie viele andere Stauseen auf der Erde schrumpft auch der zum Elephant Butte Lake aufgestaute Rio Grande dramatisch.

Der Elephant-Butte-Stausee in New Mexico war am 2. Juni 1994 nahezu gefüllt (links); im Gegensatz dazu standen die Wasserstände während der Dürreperioden am 8. Juli 2013 (Mitte) und am 27. Juli 2026 (rechts) sehr niedrig. Die Aufnahmen wurden mit dem TM-Sensor (Thematic Mapper) an Bord des Satelliten Landsat 5 sowie dem OLI-Sensor (Operational Land Imager) an Bord von Landsat 8 und Landsat 9 erstellt. Quelle: NASA Earth Observatory/Michala Garrison
Ungewöhnlich trockene Bedingungen im Einzugsgebiet des Rio Grande haben diese Wasserressourcen jedoch stark beansprucht. Die Region leidet seit einigen Jahren unter extremer Dürre. Im Jahr 2026 verschärfte sich die Lage durch die früheste jemals verzeichnete Schneeschmelze im Quellgebiet des Flusses in den südlichen Rocky Mountains.
Diese Faktoren haben dazu geführt, dass der Wasserstand des Elephant-Butte-Stausees – des größten Stausees in New Mexico – auf den niedrigsten Stand seit 1971 gefallen ist. Als die obige Aufnahme am 27. Juli 2026 (rechts) entstand, war der Stausee nur noch zu 1,4 Prozent gefüllt. Zum Vergleich: Am 2. Juni 1994 (links) war der Stausee nahezu voll; auch im Zeitraum zwischen 1985 und 2000 lagen die Wasserstände überwiegend hoch. Am 8. Juli 2013 (Mitte) erreichte der See inmitten einer weiteren Dürreperiode seinen jährlichen Tiefststand von 2,9 Prozent Füllmenge.

Das Foto aus dem April 2024 zeigt den namensgebenden Felsen Elephant Butte, in das gerne ein liegender Elefant hineininterpretiert wird. Man erkennt sehr deutlich, wie hoch das Wasser hier einst stand. Foto: Thomas Sävert
Die niedrigen Wasserstände im Jahr 2026 legten Unrat am Ufer frei und hinterließen mit Sediment bedeckte Bootsrampen im Elephant Butte Lake State Park. Der See erreichte jedoch wahrscheinlich Ende Juli seinen niedrigsten Stand des Jahres. Wie Behördenvertreter des Bundesstaates mitteilten, wurden die Wasserabgaben für die Landwirtschaft nach dem 28. Juli eingestellt, sodass sich der See langsam wieder etwas füllen konnte.

Daten des Texas Water Development Board zum Wasservolumen veranschaulichen die Schwankungen des Wasserstands im Elephant-Butte-Stausee von dessen Entstehung im Jahr 1915 bis zum Sommer 2026. Quelle: NASA Earth Observatory/Michala Garrison
Die anhaltende Dürre hat die Wasserproblematik am Rio Grande und deren weitreichende Folgen in den Fokus gerückt. Nutzer sowohl in New Mexico als auch in Texas sind auf das Oberflächen- und Grundwasser des Flusstals angewiesen, was eine sorgfältige Planung hinsichtlich Wasserspeicherung und -verteilung erforderlich macht. Mehrere vom „Western Water Action Office“ (WWAO) der NASA unterstützte Projekte zielen darauf ab, Wasserverantwortliche mit NASA-Daten und -Instrumenten auszustatten, die bei der Ressourcenverteilung helfen.
So entwickelten Forscher beispielsweise ein Modell, das NASA-Satellitendaten zu Variablen wie Bodenfeuchte und Evapotranspiration einbezieht. Daraus entstand ein Instrument, das nahezu in Echtzeit arbeitet und die bestehenden Verfahren zur Wasserzuteilung im „Elephant Butte Irrigation District“ ergänzt. Ein weiteres Projekt kombinierte Satellitenbeobachtungen der Wasserspiegelhöhe mit Drohnen- und Bodendaten, um zu untersuchen, wie sich die Grundwasserentnahme auf die Wasserführung des Rio Grande auswirkt – Informationen, die laut WWAO den Verantwortlichen bei der Verwaltung von Wasserrechten helfen können. Zudem beteiligen sich NASA-Wissenschaftler an einer Studie der Bundesbehörden zum oberen Rio Grande; Ziel ist es, den Wasserbedarf zu ermitteln, die künftige Wasserverfügbarkeit zu prognostizieren und datengestützte Instrumente zur Deckung dieses Bedarfs zu entwickeln.
Bilder des NASA Earth Observatory von Michala Garrison unter Verwendung von Landsat-Daten des U.S. Geological Survey sowie Daten zum Wasservolumen vom Texas Water Development Board.
Ausführliche Informationen zu Unwettern aller Art und anderen Naturgewalten gibt es auf meiner umfangreichen Internetseite:
