TOREX und der 19. August

Der 19. August 2026 geht in die Wettergeschichte ein mit den meisten Tornados, die bisher an einem einzigen Tag in Deutschland registriert wurden. Dazu kommen einige Verdachtsfälle, die noch ungeklärt sind. Wer bestätigt eigentlich in Deutschland diese vielen Tornados? Welche Experten stecken hinter der Sisyphos-Arbeit, bei der Vor-Ort-Untersuchungen kombiniert werden mit meteorologischen Daten? Wer ist eigentlich TOREX? Die Arbeit vor Ort nach einem mutmaßlichen Tornado gleicht dabei oft der Untersuchung eines Kriminalfalls.



Übersicht über den Tornadoausbruch („Outbreak“) am 19.08.2026 in Deutschland, Quelle DWD/TOREX

Was war eigentlich am 19.08.2026 in Deutschland geschehen? Mehr als die Hälfte der bestätigtenn Tornados in diesem Jahr trat an einem einzigen Tag auf. Mindestens 19 Tornados sind bisher bestätigt, weitere Verdachtsfälle werden noch untersucht. Der Tag begann mit der Meldung von zwei Tornados auf der Nordsee vor der Insel Norderney. Am Abend zogen sogenannte Superzellen von West nach Ost über Deutschland hinweg. Darunter versteht man kräftige Gewitter mit beständiger Rotation über einen längeren Zeitraum hinweg. Von Rheinland-Pfalz und Hessen bis nach Thüringen und Sachsen traten mindestens 16 Tornados auf, dazu kommt einer in Brandenburg. Darunter befanden sich gleich mehrere starke Tornados, die Millionenschäden anrichten. Mindestens ein Mensch kam ums Leben, weitere wurden teils schwer verletzt.

chäden durch einen Tornado in Ohrdruf (Thüringen), Foto: Philipp Strößner

Zuvor hatte sich der stärkste bekannte Ausbruch in Deutschland am 20. Mai 2006 ereignet, als beim Durchzug einer Hunderte Kilometer breiten Gewitterfront mindestens 13 Tornados und 39 weitere Tornadoverdachtsfälle verzeichnet wurden. Betroffen war damals ein breiter Streifen von Nordrhein-Westfalen und Rheinland-Pfalz über Südniedersachsen, Hessen, Thüringen bis nach Brandenburg, Sachsen und Nordbayern. Da die Tornados in der starken Höhenströmung mit der ausgeprägten Gewitterfront sehr schnell zogen, war der Nachweis der einzelnen Fälle zum Teil sehr schwierig.

Von einem Tornadoausbruch (englisch: Tornado outbreak) spricht man, wenn in einem begrenzten Gebiet bei einer Wetterlage mindestens sechs Tornados auftreten. Je nach Definition variiert diese Grenze aber etwas. Bekannt sind Berichte aus den USA mit manchmal mehr als 100 Tornados bei einem einzigen Ausbruch. Weniger bekannt ist, dass es Tornadoausbrüche auch in Europa gibt.

Wer bestätigt nun diese zahlreichen Tornados in Deutschland? Es gibt verschiedene Institutionen, die sich mit der Erforschung von Tornados hierzulande beschäftigen. Dazu gehören neben der Tornadoliste Deutschland und dem ESSL mit der europäischen Unwetterdatenbank ESWD die Tornado-Arbeitsgruppe Deutschland mit ihren Experten aus verschiedenen Bereichen, der Deutsche Wetterdienst mit seiner Tornadoexpertengruppe, die Vereinigung TorKUD, die sich auf die Vor-Ort-Erkundung spezialisiert hat, und das Meteorologische Institut der Universität Karlsruhe.

Eine Zusammenarbeit zwischen den genannten Institutionen gibt es schon längere Zeit. In 2025 wurden alle zu einer geballten Kompetenz unter dem Namen TOREX zusammengeführt. Die Untersuchung von Tornados und Tornadoverdachtsfällen wird über diese Plattform koordiniert und forciert.

Um einen Fall untersuchen zu können, muss dieser überhaupt bekannt sein. Unzählige Meldungen gehen über das Meldeformular der Tornadoliste und die Warnwetter-App des Deutschen Wetterdienstes ein. Dazu kommen Nachrichten über Social Media wie Facebook, X, Instagram und Co. Außerdem werden systematisch Medien und Zeitungsberichte gesichtet. All diese Meldungen bilden nur die Grundlage für die Untersuchung der Fälle.

Äußerst wichtig ist dabei die Vor-Ort-Erkundung der gemeldeten Schäden oder die Suche nach Schäden bei Meldung einer Trichterwolke (engl. Funnelcloud). Mit GPS-Unterstützung sowieso Auswertung hochaufgelöster Satellitenbilder können Schadenbereiche entdeckt und eingegrenzt werden. Mithilfe von Drohnen lassen sich mögliche Schneisen erkennen und grob vermessen. Die genaue Erkundung erfolgte vor Ort. Hierbei erweist sich die Arbeit von TorKud inzwischen als unverzichtbar.

Dieses wissenschaftliche Vorgehen kostet vor allem Zeit, gerade nach solchen Extremwetterlagen wie dem 19. August 2026. Erste Analysen sind bereits online, weitere sind in Arbeit. Über jeden einzelnen Fall wird bei Torex diskutiert, um auf ein einvernehmliches Ergebnis zu kommen. Bis zum Vorliegen der Analyse kann es vorkommen, dass zu einem Fall nur wenige Fakten in der Tornadoliste und der ESWD zu finden sind. Dies darf aber nicht darüber hinwegtäuschen, dass im Hintergrund fleissig gearbeitet wird.

Titelbild: Pascal Schmieding

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