Erste Analyse zum Tornado in Roetgen

Nach dem Tornado im Ort Roetgen (ca. 8.250 Einwohner) laufen die Aufräumungsarbeiten. Der Tornado erreichte am Mittwochnachmittag gegen 16:30 Uhr MEZ nach einer ersten vorläufigen Analyse der Tornado-Arbeitsgruppe Deutschland zumindest zeitweise die Stärke F2 auf der Tornadoskala, was Windgeschwindigkeiten von mehr als 180 km/h entspricht. Zahlreiche Dächer wurden beschädigt, an zwei Häusern wurde der Dachstuhl teilweise zerstört. In Medienmeldungen wird über 5 Leichtverletzte berichtet.




Tornados gehören auch bei uns in Deutschland zum normalen Wettergeschehen dazu, sie bilden sich nicht nur an so genannten Superzellen (langlebige Gewitterzellen mit beständig rotierendem Aufwindbereich), sondern auch an einfachen Schauern oder „normalen“ Gewittern, so auch am Mittwoch im südwestlichen NRW. Am Nachmittag zogen von den Beneluxstaaten kräftige Schauer und auch Gewitter in den Westen Deutschlands. Bei mit der Höhe stark zunehmendem Höhenwind waren die Bedingungen für die Bildung eines Tornados lokal günstig.

Radarbild der Städteregion Aachen zum Zeitpunkt des Tornados, Quelle: Unwetteralarm

Der Tornado entstand am Südrand einer kleinen Gewitterzelle, die von Belgien nach Deutschland zog. Dazu auch die Blitzaktivität und das Dopplerradarbild, auf dem die Rotation des Aufwindbereiches der Gewitterzelle zu erkennen ist. Bereits um 15:45 Uhr wurde im Bereich der Gewitterzelle Rotation erkannt.

Animation der Radarbilder in der Städteregion Aachen mit der auslösenden Gewitterzelle, Quelle: Unwetteralarm

Die Animation der fünfminütigen Radarbilder zeigt die schnell ziehende Gewitterzelle. Ob sie auch in Belgien bereits mit stärkeren Auswirkungen verbunden war, ist derzeit nicht bekannt. Die Gewitterzelle war demnach schon recht langlebig und wies zumindest zeitweise einen rotierenden Aufwindbereich auf. Man spricht von einer so genannten Mesozyklone.

10-minütige Windböen um 16:30 Uhr am Mittwoch, Quelle: Unwetteralarm

Die Karte zeigt, dass der Bodenwind in NRW zum Zeitpunkt des Tornados in NRW nicht allzu stark war. Aus Aachen wurde eine maximale Böe von 38 km/h gemeldet, in Kall-Sistig in der Eifel waren es 37 und in Roth bei Prüm 46 km/h.

Der Tornado wurden von einigen Einwohnern beobachtet und auch gefilmt. Bereits kurze Zeit nach dem Auftreten des Tornados wurden in den sozialen Netzwerken erste Fotos und Video verbreitet. Hierbei gilt wie immer bei Tornados: Die Sicherheit sollte unbedingt vorgehen. Besser man bringt sich selbst in Sicherheit (in einem fensterlosen Raum oder Keller mit möglichst vielen Wänden zwischen sich und dem Tornado) als bis zum allerletzten Moment zu filmen, um möglichst spektakuläre Bilder zu bekommen. Es folgen Videos des Tornados:

Eine genaue Schadenanalyse der Tornado-Arbeitsgruppe Deutschland steht natürlich noch aus, eine solche kann Tage oder gar Wochen dauern. Eine erste Einschätzung der Tornado-Arbeitsgruppe ergab, dass der Tornado mindestens die Stärke F2 der Tornadoskala erreicht. Damit lagen die maximalen Windgeschwindigkeiten oberhalb von 180 km/h. Vor allem die Beschädigung und teilweise Zerstörung von zwei Dachstühlen führt zu dieser Einschätzung. Ob der Tornado möglicherweise stellenweise noch stärker war, muss noch untersucht werden, ebenso fehlt noch eine Untersuchung der Länge und Breite der Schneise. Ab der Stärke F2 spricht man von einem starken Tornado.

Es folgen einige Eindrücke der Schäden:

 

Im langjährigen Mittel treten in Deutschland etwa 30 bis 60 bestätigte Tornados pro Jahr auf, dazu kommt eine dreistellige Zahl an Verdachtsfällen, von denen die meisten nie geklärt werden können. Die Dunkelziffer dürfte damit hoch sein. Mehr als 120 bestätigte Tornados gab es im Jahr 2006. Mehr als 400 Tornadoverdachtsfälle wurden in 2016 registriert. Dabei können Tornados in Deutschland genauso stark sein wie in den USA, selbst tonnenschwere Mähdrescher wurden schon durch die Luft gewirbelt. Die meisten Tornados sind allerdings nur schwach – auch in den USA. Im Durchschnitt kommen 2 bis 5 Tornados der Stärke F2 pro Jahr in Deutschland vor, ein Tornado der Stärke F3 (ab ca. 255 km/h) kommt etwa alle zwei Jahre vor.

Die Hauptsaison für Tornados reicht von Anfang Mai bis in den September, aber auch außerhalb dieser Zeit kommen immer wieder mal Tornados vor. Die ersten Wochen dieses Jahres brachten zwar Sturmlagen hervor, aber bis zum Mittwoch keine bestätigten Tornados. Dieser ruhige Start lässt aber keinen Schluss auf den Verlauf der Tornadosaison im Frühjahr und Sommer zu. Die Tornadosaison 2018 verlief in Deutschland ausgesprochen ruhig. Mit bisher 22 bestätigten oder plausiblen Tornados lag die Zahl bisher so niedrig wie seit mehr als 20 Jahren nicht mehr. Dazu kommen zwar noch mehr als 100 Verdachtsfälle, aber auch diese Zahl liegt deutlich unter dem Mittel der vergangenen 20 Jahre. Auslöser war der trockene Sommer mit wochenlangen Hochdruckwetterlagen.

Ausführliche Informationen zu Unwettern aller Art und anderen Naturgewalten gibt es auf meiner umfangreichen Internetseite:




Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.