ISS: Supertaifun Nanmadol

Kurz vor Sonnenuntergang flog die Internationale Raumstation ISS am 16. September  2022 über die Philippinensee und den Pazifik hinweg. Von dort hatten die Astronauten einen optimalen Blick auf den Supertaifun Nanmadol. In einem Projekt mit dem Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) in Kooperation mit der NASA und den Universitäten Bonn und Bochum werden hier von Zeit zu Zeit interessante ISS-Fotos und Videos vorgestellt.




Wie ein gewaltiger Mahlstrom in einem Ozean aus Wolken sieht der Taifun im ersten Bild aus. Durch den tiefen Sonnenstand ist gut zu erkennen, dass der Bereich um das Auge herum deutlich höher reicht als die umgebenden Wolken. Hier findet eine starke Aufwärtsbewegung statt und auch die rotierenden Winde des Wirbelsturms sind hier am stärksten. Lediglich die Spitze einer Gewitterwolke im weiter außen gelegenen Bereich des Taifuns erreicht etwa die Höhe der Wolken in der Eyewall – dem Ring um das Auge. Zu sehen ist diese Gewitterwolke im unteren linken Bildbereich.

Das zweite Bild zeigt den tropischen Wirbelsturm aus der Sicht einer Weitwinkelkamera. Hier zeigen sich die wahren Ausmaße von Nanmadol. Auch Teile der Raumstation sind in dieser Aufnahme zu sehen.

Das dritte Bild zeigt erneut Details des Auges, diesmal befand sich die ISS jedoch bereits deutlich näher am Sturmsystem. Neben der turbulent aufgewühlten Wolkenoberseite, die die Stärke der Aufwinde erahnen lässt, ist zu sehen, dass das Auge nicht komplett wolkenfrei ist. Tatsächlich befindet sich im (fast) windstillen Zentrum von tropischen Wirbelstürmen häufig eine tief liegende Wolkendecke, in der manchmal kleinere Wirbelstrukturen (sog. Mesovortices) auftauchen. Das Bild zeigt außerdem im unteren und rechten Bildbereich eine Wellenstruktur in der Wolkendecke. Diese Schwerewellen treten häufig auf, wenn Luft aufsteigt und um eine stabile Ruhelage zu schwingen beginnt.

Das vierte Bild zeigt die Ausmaße von Nanmadol im Abendlicht. In dem oberen Bereich des Bildes befinden sich die turbulenten Oberseiten von Gewitterwolken, die sich in einem Bogen um den Wirbelsturm organisieren. Hier befindet sich eines der für tropische Wirbelstürme typische Regenbänder, die in den äußeren Bereichen auftreten.

Wenige Stunden nach diesen Aufnahmen erreichte Nanmadol den Höhepunkt seiner Intensität mit mittleren Windgeschwindigkeiten von rund 250 km/h. Dies entspricht der Kategorie 4 auf der fünfteiligen Hurrikanskala für den Atlantik. Am 18. September traf der Taifun Nanmadol auf den Süden Japans. Glücklicherweise schwächte sich der Sturm zuvor etwas ab. Etwa 7 Millionen Menschen wurden zur Evakuierung aufgerufen, über 100 Menschen wurden verletzt und vier Tote sind zu beklagen. Weiterhin rund 100.000 Haushalte von der Stromversorgung abgeschnitten.

Flugbahn der ISS über dem Westpazifik am 16.09.2022, Quelle: Columbus Eye

Copyright Titelbild und Foto: NASA/ KEPLER ISS

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