Einige Definitionen zu Tornados

Da eine einheitliche Linie in der Presse und sogar in wissenschaftlichen Veröffentlichungen nicht immer gegeben ist, sollen an dieser Stelle einige Begriffe zu dem Thema Tornados erklärt werden. Was ist eigentlich ein Tornado, was eine Trichterwolke? Was bedeutet es, wenn man eine Trichterwolke zu sehen bekommt? Wie kommt ein Downburst (Gewitterfallböen) zustande?



Was ist eigentlich ein Tornado?

Definitionsgemäß ist ein Tornado ein Luftwirbel, der von einer konvektiven Wolke (Schauer, Gewitter) bis zum Boden reicht. Dabei muss der Wirbel nicht durchgehend sichtbar sein. Sichtbar wird der Wirbel erst durch Kondensation (Wolkenbildung) im oberen Bereich und Aufwirbelungen über der Oberfläche. Das können Wasser oder Staub sein, aber auch Trümmerteile, die vom Wirbel hochgerissen und später an anderer Stelle quasi „ausgespuckt“ werden.

Tornado in Lachen-Speyerdorf (Rheinland-Pfalz) am 27.08.2023, Foto: Martin Schaaf

Was ist eine Windhose, was ist eine Wasserhose?

Ganz einfach: Eine Windhose ist nichts anderes als ein Tornado. Bis vor einigen Jahrzehnten war Windhose in Deutschland die gängige Bezeichnung für einen Tornado. Inzwischen wird beides verwendet. Dies ist auch in Ordnung, solange man die beiden Begriffe gleichbedeutend verwendet und mit dem Wort „Windhose“ nicht einen Tornado verniedlichen möchte, wie es in den Medien häufig vorkommt. Besser ist es natürlich direkt von einem Tornado zu sprechen. Eine Wasserhose ist ein Tornado über einer Wasserfläche, zum Beispiel Nord- und Ostsee oder ein größerer See.

Was ist eine Trombe?

Eine Trombe ist der Oberbegriff über alle kleinräumigen Wirbel. Man unterscheidet zwischen Großtromben – Tornados über Land und Wasser – und Kleintromben. Tornados stehen dabei in Zusammenhang mit einem Schauer / Gewitter, während Kleintromben bei sonnigem Wetter entstehen. Dazu gehören je nach Untergrund Staubteufel, Heuteufel, Nebelteufel und Schneeteufel.

Was ist ein Staubteufel?

Ein Staubteufel (engl.: dust devil) wirbelt eine Menge Staub auf, ist aber in den meisten Fällen harmlos. Er entsteht tagsüber bei sonnigem Wetter, wenn sich die Luft über dem Boden lokal stark erwärmt und dann rasch aufsteigt. Sichtbar kann er durch Staub, aber auch durch Wasser oder herumliegendes Material wie Heu, Stroh etc. werden. Selten richten Staubteufel nennenswerte Schäden an, es kommt aber manchmal vor. Treffen aufgewirbelte Gegenstände, Planen oder Stroh Stromleitungen, ist ein Kurzschluss mit meist regionalem Stromausfall möglich.

Trichterwolke bei Willich (NRW) am 26.07.2023, Foto: Marvin Reiling

Was ist eine Trichterwolke?

Unter einer Trichterwolke versteht man den durch Kondensation (Wolkenbildung) sichtbaren Teil eines eng begrenzten Wirbels. Damit wird der obere Teil des Wirbels erkennbar. Dieser setzt sich aber unsichtbar nach unten fort. Gibt es durch den Wirbel Auswirkungen am Boden (z.B. Aufwirbelungen, Schäden), handelt es sich um einen Tornado, der aber nicht durchgehend sichtbar sein muss. Wird also eine Trichterwolke beobachtet (und im Idealfall gemeldet), besteht automatisch ein Tornadoverdacht, der in die Tornadoliste Deutschland eingetragen wird.

Gustnado oder doch schon Tornado? Herforst (Rheinland-Pfalz), Foto: Emile Reinart

Was ist ein Gustnado?

Der Begriff Gustnado setzt sich zusammen aus „gust“ für eine Windböe und „nado“ aus dem Wort Tornado. Im Deutschen passt am besten die Bezeichnung Böenfrontwirbel, da dieser Wirbel unterhalb einer aufziehenden Böenfront vor einem Gewitter entsteht. Es handelt sich um einen bodennahen Wirbel, der allerdings in seltenen Fällen Verbindung mit der Wolkenbasis aufnehmen und somit zu einem Tornado werden kann. Auch ein Gustnado kann so zu einem Tornadoverdachtsfall werden und einen Eintrag in die Tornadoliste auslösen.

Downburst nahe Frauenau am 13.07.2011, Luftbild von Martin Horn

Was ist ein Downburst?

Ein Downburst ist nichts anderes als eine Gewitterböe, genauer eine Gewitterfallböe. Zusammen mit dem fallenden starken Niederschlag stürzt im Abwindbereich des Gewitters Luft mit großer Geschwindigkeit nach unten. Irgendwann ist einfach der Boden sozusagen im Weg und die herabstürzende Luft breitet sich bodennah horizontal aus – vorzugsweise ist die Richtung, die auch das Gewitter einschlägt. Solche Gewitterfallböen können sehr kräftig sein mit Windgeschwindigkeiten, die durchaus 200 km/h und mehr erreichen können. Das Schadenbild unterscheidet sich meist deutlich von dem bei einem Tornado, die Bäume fallen überwiegend in eine Richtung und der betroffene Bereich kann kilometerbreit sein. Manchmal treten aber sogenannte Microbursts auf – kleinräumige Gewitterböen mit Schäden in einem eng begrenzten Bereich. Dabei ergibt sich ein ähnliches Schadenbild wie bei einem schnell ziehenden Tornado.

Was ist eine Superzelle?

Eine Superzelle ist nicht einfach nur ein starkes Gewitter, sondern eines, das einige Kriterien erfüllen muss. Zunächst einmal handelt es sich tatsächlich um ein kräftiges Gewitter, das langlebig ist, sich mindestens 30 Minuten lang hält, und dabei einen beständig rotierenden Aufwindbereich aufweist. Nachweisen lässt sich eine solche Superzelle meist nur mit entsprechenden Radarbildern, unterstützt durch Beobachtungen vor Ort. Allein durch die Beobachtungen ist der Nachweis nur selten möglich. Pro Jahr sind in Deutschland einige Dutzend Superzellen unterwegs, von denen aber nur ein kleiner Teil Tornados hervorbringt.

Was ist ein Tornadoausbruch (engl.: Outbreak)?

Es gibt unterschiedliche Definitionen für einen Tornadoausbruch. Nach der gängigsten spricht man von einem Ausbruch, wenn bei einer Wetterlage (in der Regel an einem Tag) in einem begrenzten Gebiet mindestens 6 Tornados auftreten. Bei den stärksten Ausbrüchen in den USA und dem Vereinigten Königreich traten mehr als 100 Tornados auf, aber auch aus Deutschland sind einige Tornadoausbrüche mit zahlreichen Tornados bekannt.

Plausibler Tornado in Emtmannsberg (Baden-Württemberg) am 04.08.2023, Foto: Timo Heckel

Was ist ein Tornadoverdachtsfall, was ein plausibler Tornado?

Sobald Indizien oder Augenzeugenberichte vorliegen, die Hinweise auf einen möglichen Tornado enthalten, erfolgt ein Eintrag als Verdachtsfall in die Tornadoliste Deutschland. Dies bewirkt, dass viele Leser von dem Fall erfahren und so möglicherweise noch mehr Hinweise eintreffen, um den Fall aufklären zu können. Nach Sichtung des Materials und gegebenenfalls Erstellung einer Analyse erfolgt entweder eine Bestätigung durch die Tornado-Arbeitsgruppe oder es war definitiv kein Tornado. Eine Zwischenstufe ist ein plausibler Fall, bei dem es sich mit hoher Wahrscheinlichkeit um einen Tornado handelte, der letzte Nachweis dafür aber noch fehlt. Sehr viele Fälle bleiben als Verdachtsfall in der Liste stehen, in der Hoffnung, doch noch Hinweise zu erhalten. Dies kann auch Monate oder gar Jahre später noch erfolgen.

Womit lässt sich ein Tornado bestätigen?

Im Idealfall liegen eindeutige Fotos / Videos des Tornados vor, die keine oder nur noch wenige Fragen offen lassen. Falls nicht, weil der mögliche Tornado zum Beispiel im Dunkeln auftrat, muss man sich die Schäden genauer ansehen. Für einen Tornado sprechen unter anderem eine lange, schmale Schneise, bei der das Verhältnis Länge zu Breite der Schneise mindestens 10:1 betragen sollte, dazu erhebliche Verfrachtungen, auch über größere Strecken mit eher linksseitigem „Auswurf“ oder sogar gegen die Zugrichtung, sowie unterschiedliche Fallrichtungen der Bäume. Häufig werden Trichterwolken gemeldet, meist sogar mit Fotos und/oder Videos. Wird eine Trichterwolke beobachtet, sind hierzulande allerdings oft Bäume und Gebäude im Weg. Man kann dann nicht sehen, was am Boden darunter passiert und eine Aufklärung des Falls ist nur möglich, wenn man am betreffenden Ort Spuren am Boden auffindet oder Augenzeugen auftreibt, die das Geschehen am Boden beobachtet haben.

Copyright Titelbild: Günter Walter, Tornado in Micheln am 23.06.2004

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