Historischer Juni mit Rekordtemperaturen

Der Juni 2026 geht als sehr ungewöhnlicher Monat in die Wettergeschichte ein. Nach teilweise sommerlichem Start bestimmten atlantische Tiefs das Wetter in Mitteleuropa und an einigen Tagen lag selbst die 20-Grad-Marke in weiter Ferne. Dann wurde der Schalter in Rekordtempo auf Sommer umgelegt und das Hochdruckwetter gipfelte vom 26. bis zum 28. Juni in einer endlosen Auflistung neuer Hitzerekorde. Auslöser war ein stabiles, blockierendes Hochdruckgebiet, in dessen Bereich sich eine intensive Hitzewelle einstellte, wie sie zuvor seit Aufzeichnungsbeginn noch nicht beobachtet worden war. Am 28. Juni wurde in Neißemünde-Coschen (Brandenburg) mit 41,7 Grad ein neuer Meilenstein gesetzt. In weiten Landesteilen war der Juni außerdem trockener und sonniger als im Mittel.



 

Temperaturen im Juni 2026, Abweichungen zum Mittel 1961-1990, Quelle: Deutscher Wetterdienst

Im Vergleich zum Mittel der Jahre 1991 bis 2020 lagen die Temperaturen im Juni 2026 deutlich über den Mittelwerten, meist war es 2 bis 3,5 Grad wärmer. Gegenüber der kühleren Phase 1961 bis 1990 waren die Abweichungen zum Teil noch deutlich größer, im Südwesten war es mehr als 5 Grad wärme. Dafür sorgte vor allem die extreme Hitzewelle zum Monatsende. Am Oberrhein gab es 8 bis 10 sogenannte „sehr heiße Tage“ mit 35,0 Grad oder mehr. Vom 26. bis zum 28. Juni wurden an Dutzenden Orten Höchstwerte über 40 Grad gemessen. Den höchsten Wert und damit einen deutschlandweiten neuen Rekord meldete am 28. Juni Neißemünde-Coschen (Brandenburg) mit 41,7 Grad. Und auch die Nächte waren verbreitet tropisch warm. Mit einem Tiefstwert von 29,4 Grad wurde in Kubschütz im Kreis Bautzen (Sachsen) mit Abstand ein neuer Rekord mit der bundesweit bisher wärmsten Nacht aufgestellt. Den tiefsten Wert des Monats meldete in der deutlich kühleren ersten Monatshälfte am 15. Meßstetten-Appental (Baden-Württemberg) auf der Schwäbischen Alb.

Es folgt eine Liste mit den höchsten, vom 26. bis zum 28. Juni an offiziellen Stationen in Deutschland gemessenen Werten:
 
+41.7 Grad am 28.06.2026 in Coschen (Brandenburg)
+41.5 Grad am 28.06.2026 in Bad Muskau (Sachsen)
+41.5 Grad am 27.06.2026 in Drewitz bei Burg (Sachsen-Anhalt)
+41.5 Grad am 27.06.2026 in Frankfurt/Main-Bergen-Enkheim (Hessen)
+41.4 Grad am 27.06.2026 in Seehausen (Sachsen-Anhalt)
+41.4 Grad am 27.06.2026 in Waghäusel-Kirrlach (Baden-Württemberg)
+41.4 Grad am 27.06.2026 in Saarbrücken-Burbach (Saarland)
+41.3 Grad am 27.06.2026 in Genthin (Sachsen-Anhalt)
+41.3 Grad am 27.06.2026 in Bad Nauheim (Hessen)
+41.3 Grad am 26.06.2026 in Saarbrücken-Burbach (Saarland)
+41.2 Grad am 27.06.2026 in Frankfurt/Main-Westend (Hessen)
+41.1 Grad am 27.06.2026 in Frankfurt/Main-Flughafen (Hessen)
+41.1 Grad am 28.06.2026 in Klettwitz (Brandenburg)
+41.1 Grad am 27.06.2026 in Holzdorf (Brandenburg)
+41.1 Grad am 27.06.2026 in Andernach (Rheinland-Pfalz)
+41.1 Grad am 27.06.2026 in Trier-Zewen (Rheinland-Pfalz)
+41.0 Grad am 28.06.2026 in Baruth (Brandenburg)
+41.0 Grad am 28.06.2026 in Radebeul-Steinrücken (Sachsen)
 
Junitemperaturen seit 1881, Quelle: Bernd Hussing, https://www.bernd-hussing.de/klima.htm

Das Deutschlandmittel lag im Juni 2026 bei 19,5 Grad und damit direkt nach dem Juni 2019 auf Platz 2 der bis 1881 zurückreichenden Temperaturreihe. Das Mittel der Jahre 1991 bis 2020 liegt bei 16,4 Grad, in der kühleren Periode 1961 bis 1990 bei 15,4 Grad.

Niederschläge im Juni 2026, Abweichungen zum Mittel 1961-1990, Quelle: Deutscher Wetterdienst

Wie bereits mehrere Monate zuvor fiel auch der Juni 2026 verbreitet deutlich trockener aus als im langjährigen Mittel. Besonders wenig Regen kam am Mittel- und Oberrhein, in Unterfranken und im Großraum Berlin zusammen; meist wurden hier nur 15 bis 30 Liter pro Quadratmeter registriert, örtlich sogar noch weniger. Deutlich nasser war es am Alpenrand und im äußersten Nordwesten des Landes mit 120 bis 180 Liter. Zum Monatsende brachten teils heftige Gewitter lokal eng begrenzt die durchschnittliche Monatsmenge innerhalb weniger Stunden. Die höchste Tagessumme meldete am 27. Erfde (Schleswig-Holstein) mit 77,2 Liter pro Quadratmeter.

Die extreme Hitzewelle ließ den Schnee in den Hochlagen der Alpen rasch schmelzen. Wurden zu Beginn des Monats auf der Zugspitze 160 Zentimeter und zur Monatsmitte noch 130 Zentimeter gemessen, schrumpfte die Schneehöhe in der zweiten Monatshälfte sehr rasch zusammen und Ende Juli blieben nur noch wenige Zentimeter übrig. Dies verwundert überhaupt nicht beim Anblick der Temperaturen: Am 27. Juni wurde auf der Zugspitze (2.956 Meter) mit 16,1 Grad der bisherige Junirekorde nur knapp verpasst. Am Schneefernerhaus waren es sogar 19,7 Grad.

Tornado bei Norden in Ostfriesland am 20.06.2026, Foto: Julian Ramlow

Aus dem Juni 2026 sind in Deutschland bisher mindestens 7 Tornados bestätigt, dazu kommen mehr als 20 Verdachtsfälle. Am 04. Juni zog ein Tornado unter Abschwächung von den Niederlanden nach Gronau (Westfalen). Zwar waren die Schäden auf deutscher Seite der Grenze nicht so groß wie im Nachbarland, es wurden aber unter anderem einige Dächer und Bäume beschädigt. Mehrere Wasserhosen wurden auf dem warmen Wasser von Nord- und Ostsee beobachtet.

Sonnenschein im Juni 2026, Abweichungen zum Mittel 1961-1990, Quelle: Deutscher Wetterdienst

Beim Sonnenschein fiel die Diskrepanz zwischen der ersten und der zweiten Monatshälfte besonders auf. In den ersten beiden Wochen des Monats hielt sich die Sonne sehr zurück. Während der hitzigen zweiten Monatshälfte machte die Sonne reichlich Überstunden und insgesamt kam ein deutliches Plus gegenüber den Mittelwerten heraus. Es war der vierte Monat in Folge mit einem deutlichen Sonnenschein-Plus.

Titelbild: Achim Otto

Ausführliche Informationen zu Unwettern aller Art und anderen Naturgewalten gibt es auf meiner umfangreichen Internetseite:



Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert