Kältester Dezember seit 10 Jahren

Der Dezember 2022 hatte von Herbst über Winter bis zu vorfrühlingshaften Temperaturen alles zu bieten. Nach einem recht ausgeglichenen Start setzte sich um den 10. von Nordosten her eisige polare Kaltluft im ganzen Land durch. Für mehr als eine Woche herrschten winterliche Temperaturen mit teils strengen Nachtfrösten und kräftigen Schneefällen in einigen Landesteilen. Damit waren die ersten zweieinhalb Wochen des Monats bis zu 5 Grad kälter als im Mittel. Am 19. überzog eine Glatteisregenfront das Land und führte zu einer gefährlichen Glatteislage, bevor sich bis zum Jahresende extrem milde Luft durchsetzte, in der die bisherigen Temperaturrekorde reihenweise geradezu pulverisiert wurden. Damit ist die Temperaturbilanz des Monats insgesamt ausgeglichen.




Temperaturen im Dezember 2022, Abweichungen zum Monatsmittel 1991-2020, Quelle: Bernd Hussing, http://www.bernd-hussing.de/klima.htm

Im Vergleich zum Mittel der Jahre 1991 bis 2020 war der Dezember 2022 nach Messwerten des Deutschen Wetterdienstes in der Südhälfte Deutschlands 0 bis 1 Grad wärmer und in der Nordhälfte meist 0 bis 1 Grad kälter.

Die höchsten Temperaturen wurden überwiegend am extrem milden Silvestertag gemessen mit einem Spitzenwert von 20,8 Grad in Wielenbach (Bayern). Die 20-Grad-Marke wurde auch in Müllheim und Ohlsbach (beide in Baden-Württemberg) mit jeweils 20,3 Grad sowie in München-Stadt mit 20,0 Grad geknackt. Neue Dezemberrekorde gab es zum Beispiel in Stuttgart und Dresden mit jeweils 19,1 Grad und in Köln mit 18,4 Grad. In der Silvesternacht kühlte sich die Luft in vielen Landesteilen kaum ab mit neuen Rekordtiefstwerten, zum Beispiel mit 16,1 Grad in Hoyerswerda (Sachsen), 15,6 Grad in Wunstorf (Niedersachsen), 15,6 Grad in Celle (Niedersachsen), 15,4 Grad in Hameln-Halstenbeck (Niedersachsen) und 15,2 Grad in Münster-Osnabrück (NRW). Die alten Rekorde wurden dabei vielerorts deutlich übertroffen. Der tiefste Wert des Monats wurde am Morgen des 18. Dezember mit -19,3 Grad in Heinersreuth-Vollhof, Landkreis Bayreuth (Bayern), registriert.

Temperaturen im Dezember seit 1881, Quelle: Bernd Hussing, http://www.bernd-hussing.de/klima.htm

Das Deutschlandmittel lag im Dezember 2022 bei 1,9 Grad und damit im Mittelfeld der bis 1881 zurückreichenden Temperaturreihe. Der Monat lag genau im Bereich des Mittelwertes der Jahre 1991 bis 2020 und 1,1 Grad über dem Mittel der Jahre 1961 bis 1990.

Niederschläge im Dezember 2022, Abweichungen zum Monatsmittel 1991-2020, Quelle: Bernd Hussing, http://www.bernd-hussing.de/klima.htm

Der Dezember 2022 war in der Südhälfte Deutschlands zum Teil deutlich trockener als im langjährigen Mittel. In Zinnwald im Erzgebirge fielen nur 40,9 Liter pro Quadratmeter, entsprechend 49 Prozent des Mittelwertes. Im Bereich Niedersachsen, Sachsen-Anhalt, Brandenburg, Berlin und nördliches Sachsen kam verbreitet mehr Regen zusammen als im Mittel der Jahre 1991 bis 2020. In Leipzig fielen mit 56,2 Liter pro Quadratmeter 64 Prozent mehr als im Durchschnitt, in Hannover waren es mit 95,3 Liter sogar 75 Prozent mehr. Die höchste Tagesmenge wurde am 23. an der Wetterstation in Sankt Blaisen-Menzenschwand im Hochschwarzwald mit 63 Litern pro Quadratmeter gemessen.

Schnee fiel bei dem Wintereinbruch Mitte Dezember in den meisten Regionen Deutschlands. Besonders viel kam in großen Teilen Schleswig-Holsteins und im äußersten Nordwesten Niedersachsens zusammen. Im Bereich Husum – Rendsburg – Neumünster lagen um den 16. Dezember verbreitet mehr als 20 Zentimeter, örtlich sogar rund 30 Zentimeter Schnee.

Sonnenschein im Dezember 2022, Abweichungen zum Monatsmittel 1991-2020, Quelle: Bernd Hussing, http://www.bernd-hussing.de/klima.htm

Der Dezember 2022 geht in vielen Regionen als relativ grauer Monat in die Wettergeschichte ein. In Magdeburg wurden lediglich 27,2 Sonnenstunden registriert, dies entspricht 55 Prozent des Mittelwertes der Jahre 1991 bis 2020; in Zinnwald im Erzgebirge waren es sogar nur 16,2 Stunden, entsprechend 42 Prozent. Etwas mehr Sonnenschein als im Durchschnitt gab es vor allem im Nordwesten des Landes und in einigen Regionen in Süddeutschland. In Straubing (Bayern) wurden mit 53,5 Stunden 20 Prozent mehr Sonnenschein registriert als im Mittel.

Titelbild: Thomas Sävert

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