Meist sonniger und trockener Frühling

Von warmem, fast sommerlichem Wetter bis hin zu einer ausgewachsenen Tornadolage war im zurückliegenden Frühling alles dabei. Nach einem verbreitet sonnigen und sehr trockenen März folgte ein eher durchwachsener April und dann wieder ein oft sonniger Mai, der allerdings ein deutliches Nord-Süd-Gefälle aufwies. Insgesamt war der Frühling 2022 nicht wärmer, aber verbreitet deutlich trockener und sonniger als im langjährigen Mittel, deutschlandweit war es der drittsonnigste Frühling seit Beginn der Sonnenscheinmessungen im Jahre 1951. In Erinnerung bleiben die Unwetter vom 20. Mai mit bisher 7 bestätigten oder plausiblen (sehr wahrscheinlichen) Tornados allein in Deutschland und zahlreichen weiteren Tornadoverdachtsfällen.




Der Mai 2022 fiel in weiten Teilen Deutschlands deutlich wärmer, trockener und sonniger aus. Nur der äußerste Norden bekam von den beständigen Hochdruckwetterlagen nur wenig mit. Hier fiel mehr Regen als im Mittel, es war kaum wärmer als im Durchschnitt und häufig schoben sich Wolken vor die Sonne. Allerdings wurden die frühsommerlichen Perioden auch in der Mitte und im Süden durch Unwetter unterbrochen. Am 20. Mai passte dann alles zusammen mit feuchtwarmer Luft in den bodennahen Schichten, kälterer Luft in der Höhe sowie mit der Höhe stark zunehmendem und sich drehendem Wind. Damit waren alle wichtigen Zutaten für eine Tornadowetterlage gegeben und durch die Medien gingen eindrückliche Vorwarnungen. Nur das Wann und Wo war vorher offen. Getroffen hat es dann unter anderem Städte wie Lippstadt, Höxter und Paderborn, wo mehr als 40 Menschen verletzt wurden. Mindestens drei starke Tornados der Stärke F2 mit Windgeschwindigkeiten von mehr als 180 km/h wurden registriert.

Tornado in Höxter am 20.05.2022

Im hohen Norden war der Mai 2022 etwa 0,5 Grad wärmer als im langjährigen Mittel, nach Süden hin waren es meist 1,5 bis 2,5 Grad. Mit einem Deutschlandmittel von 14,4 Grad verpasste der zurückliegende Monat nur knapp die Top Ten in der Temperaturliste seit 1881. Im äußersten Norden war der Monat deutlich nasser als im Mittel, auf der Nordseeinsel Helgoland fiel 38 Prozent mehr als im Durchschnitt. Auch am Alpenrand kam einiges an Regen zusammen. In weiten Landesteilen war der Mai sehr trocken, im Südwesten fiel gebietsweise nur ein Viertel der Mittelwerte. Entsprechend schien die Sonne im Norden nur wenig, ansonsten war es oft sonnig und im Südwesten wurde etwa ein Drittel mehr Sonnenschein verzeichnet.

Temperaturen im Frühling 2022, Abweichungen zum Monatsmittel 1991-2020, Quelle: Bernd Hussing, http://www.bernd-hussing.de/klima.htm

Im Vergleich zum Mittel der Jahre 1991 bis 2020 war der Frühling 2022 nach Messwerten des Deutschen Wetterdienstes meist zwischen 0 und 1 Grad kälter. Im Vergleich zur Periode 1961 bis 1990 waren die drei Monate im deutschlandweiten Flächenmittel 0,4 Grad wärmer. Die höchste Temperatur wurde am 20.05. mit 33,7 Grad in Ohlsbach, nordöstlich von Freiburg im Breisgau (Baden-Württemberg) gemessen. Der tiefste Wert wurde am Morgen des 04. April in Meßstetten auf der Schwäbischen Alb (Baden-Württemberg) mit -14,6 Grad registriert.

Temperaturen im Frühling seit 1881, Quelle: Bernd Hussing, http://www.bernd-hussing.de/klima.htm

Das Deutschlandmittel lag im Frühling 2022 bei 8,4 Grad und damit im Mittelfeld der bis 1881 zurückreichenden Temperaturreihe. Im Vergleich zur Periode 1961 bis 1990 war der Frühling im Deutschlandmittel 0,4 Grad wärmer.

Niederschläge im Frühling 2022, Abweichungen zum Monatsmittel 1991-2020, Quelle: Bernd Hussing, http://www.bernd-hussing.de/klima.htm

Nur vereinzelt wurden beim Niederschlag die Mittelwerte erreicht. In den meisten Regionen war es vor allem im März und auch wieder im Mai extrem trocken. In Leipzig kamen in den drei Monaten ledigleich 41 Prozent des durchschnittlichen Regens zusammen.

Sonnenschein im Frühling 2022, Abweichungen zum Monatsmittel 1991-2020, Quelle: Bernd Hussing, http://www.bernd-hussing.de/klima.htm

Im sonnigen Frühling 2022 schien die Sonne im ganzen Land deutlich länger als im langjährigen Durchschnitt. Gegenüber dem Mittel der Jahre 1991 bis 2020 waren es deutschlandweit fast 30 Prozent mehr Sonnenschein, am Flughafen Düsseldorf sogar 40 Prozent. Noch größer vwar die Abweichung gegenüber den Jahren 1961 bis 1990 mit 45 Prozent im Flächenmittel. Häufiger schien die Sonne seit Beginn der Aufzeichnungen im Jahre 1951 nur in den Jahren 2020 und 2011.

Titelbild: Achim Otto

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