Bilanz der Tornadosaison 2020

Im Jahr 2020 blieben zwar große Tornadoereignisse aus, dennoch traten wieder Dutzende Fälle auf, von denen einzelne auch Schäden anrichteten. Insgesamt sind bisher 30 bestätigte oder plausible Tornados in Deutschland bekannt (Vorjahr 42), dazu kommen nach aktuellem Stand 176 Verdachtsfälle, die bis heute ungeklärt sind. Die Zahl der bestätigten Tornados dürfte sich noch erhöhen, eine Nachbesprechung der Saison 2020 seitens der Tornado-Arbeitsgruppe steht noch aus.




Die nachfolgende Tabelle schlüsselt sämtliche Tornados und Verdachtsfälle des Jahres 2020 nach den Stärken und Monaten auf (Stand 15.12.2020):

Tornadostatistik Deutschland für das Jahr 2020, Quelle: Tornadoliste Deutschland

Es zeigt sich wieder einmal, dass die Hauptsaison für Tornados in Deutschland grob von Mai bis September reicht. Allerdings traten in diesem Mai sehr wenig Fälle auf, kein bestätigter Tornado ist bisher bekannt. Die meisten bestätigten oder plausiblen Tornados wurden erst im August beobachtet, zwei Drittel davon waren Wasserhosen.

Starke Tornados wurden in 2020 nicht registriert. Die größten Schäden richtete ein Tornado der Stärke F1 bereits am 16. Februar im Bereich Bocholt im nordwestlichen Nordrhein-Westfalen an, mehrere Gebäude wurden hier beschädigt. Erst acht Monate zuvor hatte es in der Stadt Bocholt große Schäden durch einen starken Tornado gegeben. Am 29. April 2020 richtete ein Tornado der Stärke F1 Schäden in Lübtheen (Mecklenburg-Vorpommern) an.

Wirbel am Rande eines Großfeuers im Bremer Hafengebiet am 28.04.2020, Quelle: Nord-West-Media TV

Ungewöhnlich war ein Wirbel, der am Vormittag des 28. April 2020 während eines Großfeuers im Hafengebiet in Bremen beobachtet wurde. Der Wirbel ist durch Videoaufnahmen gesichert. Unklar ist, ob er als Kleintrombe zählt oder wegen der Verbindung zur (Rauch-)Wolke als Tornado.

In jedem Jahr treten in Deutschland Dutzende Tornados auf, wobei die Hauptsaison von Mai bis September reicht. Allerdings kommen auch außerhalb dieser Zeit immer wieder Tornados in Deutschland vor, unter anderem im Bereich von Sturm- oder Orkantiefs. Wir gehen im Mittel von 30 bis 60 Tornados pro Jahr aus, wobei die Zahlen von Jahr zu Jahr stark schwanken. Dabei können Tornados in Mitteleuropa genauso stark sein wie in den USA. Die meisten Tornados sind allerdings schwach (Stärke F0 oder F1) – dies gilt auch für die USA.

Häufig werden Trichterwolken in Deutschland beobachtet, die Zahl dürfte dreistellig pro Jahr sein. Unter einer Trichterwolke versteht man den durch Kondensation sichtbaren Teil eines Wirbels, der sich unsichtbar nach unten fortsetzt. Hat der Wirbel Bodenkontakt, dann spricht man von einem Tornado, der aber nicht durchgehend sichtbar sein muss. Direkt über dem Boden wird der Wirbel oft durch aufgewirbelten Staub (oder aufgewirbeltes Wasser) oder auch hochgewirbelte Trümmer sichtbar. Man darf sich nicht davon täuschen lassen, wenn nur die Trichterwolke zu sehen ist und der untere Bereich zum Beispiel durch Häuser und Bäume verdeckt ist. Wird eine solche Trichterwolke beobachtet, besteht also ein Tornadoverdacht, ebenso wenn verdächtige Schäden aufgefunden werden. Mehr als 175 Tornadoverdachtsfälle wurden in 2020 registriert und damit deutlich mehr als in den beiden Vorjahren.

Europaweit wurden 2020 mehr als 750 Tornados gemeldet und damit in etwa so viel wie im Vorjahr (798). Die meisten Tornados wurden im Mittelmeerraum beobachtet, ein weiterer Schwerpunkt reichte von Nordfrankreich und England bis zum Baltikum. Recht wenige Tornados wurden in Skandinavien beobachtet. In den USA fiel die Tornadosaison 2020 etwas schwächer aus als im langjährigen Mittel. Mit vorläufig gut 1200 Tornados liegt die Zahl unter dem Schnitt von etwa 1300 Fällen. Die Tornados waren über das ganze Jahr verteilt, wobei der Schwerpunkt im Monat April lag. Einzelne Tornadoausbrüche wurden auch im Januar und bis in den August hinein verzeichnet.

Titelbild: Tornado bei Bevern, Deensen (Niedersachsen) am 17.08.2020, Quelle: Nicole Ohm

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