Teuerste Tornadosaison seit Aufzeichnungsbeginn

Das Tornadojahr 2022 startete in Deutschland früh und brachte bereits im Februar und im April erste Tornados. Zahlreiche Tornados und Tornadoverdachtsfälle folgten mit dem Höhepunkt am 20. Mai, als ein Tornadoausbruch mindestens 6 bestätigte und einen plausiblen (sehr wahrscheinlichen) Tornado sowie 10 weitere Verdachtsfälle hervorbrachte. Es gab unter anderem in Paderborn Dutzende Verletzte und die Schäden in Ostwestfalen und in Südniedersachsen lagen im dreistelligen Millionenbereich. Insgesamt sind in 2022 bisher 31 Tornados bestätigt, dazu kommen 11 plausible Fälle, in denen ein Tornado sehr wahrscheinlich ist. Im Jahr 2022 sind derzeit außerdem 147 Verdachtsfälle bekannt (Stand: 07.12.2022) und damit etwas weniger als im Vorjahr. Die Zahl der bestätigten Tornados in 2022 kann allerdings nach weiterer Diskussion zahlreicher Fälle noch deutlich ansteigen.




Drei der Tornados am 20. Mai im Raum Lippstadt, Paderborn (beide NRW) und im Kreis Holzminden (Niedersachsen) erreichten die Stärke F2. Die Analyse von Satellitenbildern ergab, dass die Schneise in Lippstadt zeitweise 900 bis 950 Meter breit war. Aus derselben Superzelle ging der Tornado hervor, der in Paderborn mindestens 43 Menschen verletzte und Millionenschäden anrichte. Die Schneise war 23,5 Kilometer lang und maximal 400 Meter breit. Die Schäden wurden von der Stadt Paderborn mit fast 150 Millionen Euro beziffert, davon mehr als 100 Millionen an Gewerbebetrieben. Der Tornado beschädigte oder zerstörte im Stadtgebiet etwa 1000 Bäume.

Tornado bei Paderborn am 20.05.2022, Foto: Sven Foede

Die beiden Tornados in Lippstadt und Paderborn sind durch Videomaterial und Augenzeugen bestätigt. Auch der Tornado in Merxhausen und Mackensen im Landkreis Holzminden war ungewöhnlich breit mit einer Schneisenbreite von bis zu 750 Metern. Bei mindestens 8 weiteren bestätigten oder plausiblen Fällen wurde in 2022 die Stärke F1 erreicht.

Tornado in Urexweiler am 17.11.2022, Foto: Lorena Schöneberger

Ein für die Jahreszeit ungewöhnlich stärker Tornado hinterließ am 17. November im nördlichen Saarland eine mehr als 10 Kilometer lange Schneise mit erheblichen Schäden. Eine sogenannte Superzelle – ein langlebiges Gewitter mit beständig rotierendem Aufwind Bereich – war von Frankreich aus ins Saarland gezogen.

Im langjährigen Mittel gehen wir von 40 bis 60 Tornados pro Jahr in Deutschland aus, wobei die Zahlen von Jahr zu Jahr stark schwanken. Ein Tornado der Stärke F3 kommt etwa alle zwei Jahre vor, F2-Tornados im Schnitt 3 bis 5 pro Jahr. Eine genauere Statistik gibt es derzeit noch nicht. Erst seit der Jahrtausendwende wird in privater Initiative wieder Tornadoforschung in Deutschland betrieben, für eine aussagekräftige Statistik reicht dies noch nicht aus.

Titelbild: Tornado am 20.05.2022 in Hillscheid, Foto: Ira Schnelle

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