Entspannung beim Niedrigwasser?

Die Trockenheit in weiten Teilen Mitteleuropas nimmt immer dramatischere Formen an. Von Basel bis zu den Niederlanden nähern sich die Pegelstände den bisherigen Rekorden an, die größtenteils in 2018 erreicht wurden – allerdings erst im Oktober und damit mehr als 2 Monate später im Jahr. An einigen Pegeln fehlen nur noch Zentimeter bis zum Wert 0, negative Werte sind nicht ausgeschlossen. Wie kann dies sein? Und die neue Woche bringt zwar lang ersehnten Regen, aber die große Wende bei der Niedrigwasserlage zeigen die Wettermodelle aktuell noch nicht.




Entlang des Rheins bewegen sich die Pegelstände für die Jahreszeit verbreitet auf Rekordniveau. In Worms zeigte der Rheinpegel am Sonntagmittag mit 11 Zentimetern einen Wasserstand von mehr als zwei Metern unter dem langjährigen Mittelwert, Tendenz zunächst weiter fallend. Der bisherige Rekord seit Beginn der Messungen liegt hier bei 2 Zentimetern – gemessen allerdings am 20. Oktober 2018, also mitten im Herbst. Üblicherweise werden die tiefsten Wasserstände entlang des Rheins erst im Herbst erreicht, wenn sich die Schneeschmelze aus den Alpen kaum noch auswirkt. Viel Schnee ist dort aber im vergangenen Winter nicht gefallen und die herrschende Dürre lässt die Flüsse mehr und mehr austrocknen.

Rhein in Düsseldorf, Quelle: Thomas Sävert

Weiter flussabwärts sind die Wasserstände ebenfalls weit unter die Mittelwerte gefallen. In Düsseldorf lag der Wasserstand am Sonntagmittag bei 36 Zentimetern und damit nur noch 13 Zentimeter unter dem bisherigen Rekord vom 23. Oktober 2018. In Wesel am Niederrhein fehlen mit 97 Zentimetern noch 3 Zentimeter bis zum Rekordwert. In Emmerich ist der bisherige Rekord vom 23. Oktober 2018 mit einem Pegelstand von 7 Zentimetern am Sonntag bereits eingestellt worden. In den kommenden Tagen konnte es langsam weiter bergab gehen. Auch zahlreiche andere Flüsse führen inzwischen nur noch wenig Wasser.

Übrigens sind die Pegelwerte an den einzelnen Messstationen überhaupt nicht miteinander vergleichbar. Der Nullpunkt an jedem Pegel wurde willkürlich festgelegt, 36 Zentimeter in Düsseldorf entsprechen also nicht der gleichen Wassermenge wie 36 Zentimeter in Köln oder Koblenz. Und was passiert, wenn an einem Pegel der Nullpunkt erreicht ist? Kann man dann einfach zu Fuß den Fluss durchqueren? Nein, auf keinen Fall! Nicht nur wegen der starken Strömung, sondern weil auch dann noch einiges an Wasser in der Fahrrinne vorhanden ist. Ein Pegelstand kann also auch ins Minus rutschen, was aber am Rhein seit Beginn der Aufzeichnungen noch nicht vorkam.

Wie sieht es an den Stauseen in Deutschland aus? Am Sonntagmorgen lag der Wasserstand des Edersees in Nordhessen bei 222,65 m ü. NN und damit etwa 22,32 m unter dem Vollstau. Der Füllstand lag damit bei 18,7 Prozent. Durch das Wasser aus dem Edersee wurde die Oberweser bis vor kurzem noch schiffbar gehalten. Seit dem vergangenen Dienstag wurde die Wasserabgabe an den Fluss auf etwa ein Fünftel reduziert und der Schiffsverkehr auf der Oberweser weitgehend eingestellt. Der Wasserstand des drittgrößten Stausees in Deutschland fällt seitdem nur noch langsam. Ob wieder ein extremes Niedrigwasser wie 2003 und 2018 zu erwarten ist, lässt sich noch nicht absehen, einige historische Bauten wie die berühmte Aseler Brücke sind aber schon längst auf den Fluten aufgetaucht. Der Tiefststand des Edersee wird je nach Wetterlage meist erst im Oktober oder November verzeichnet.

Im Einzugsgebiet der Ruhr und in Nordrhein-Westfalen liegt der Füllstand der Talsperren mittlerweile bei 74,8 Prozent mit weiter leicht fallender Tendenz. Im Harz ist die Okertalsperre dagegen nur zu 43 Prozent gefüllt.

Wetterlage bis zum Freitag aus dem ICON-Modell (grün für Regen), Quelle: Tropical Tidbits

Ein erster Ansturm westeuropäischer Tiefdruckgebiete verpufft zu Beginn der neuen Woche weitgehend. Allerdings weht mit Drehung der Strömung von östlichen Richtungen auf Süd bis Südwest deutlich feuchtete und damit schwülere, gewitterträchtige Luft heran. In dieser Luftmasse können sich am Montag einzelne Schauer und Gewitter bilden. Dazwischen bleibt es vielerorts aber auch trocken. Nach Zwischenhocheinfluss am Dienstag dürften ab Mittwoch in vielen Landesteilen Schauer und Gewitter auftreten. Es wird aber nicht flächendeckend regnen. Was im weiteren Verlauf passiert, muss man abwarten. Die Modellrechnungen gehen derzeit weit auseinander.

Regensummen bis zum Freitag aus dem ICON-Modell, Quelle: Tropical Tidbits

Stärkere Niederschläge greifen von West- auf Mitteleuropa über, wobei nur in Teilen Deutschlands nennenswerte Regenmengen zu erwarten sind. Der größte Teil fällt in Form von Schauern und Gewittern, in deren Bereich bei nur langsamer Verlagerung lokal eng begrenzt extremer Starkregen mit Unwettergefahr auftreten kann. Besonders kräftg regnen kann es in Südfrankreich und im Nordwesten Italiens, auch hier mit Unwettergefahr.

Ausführliche Informationen zu Unwettern aller Art und anderen Naturgewalten gibt es auf meiner umfangreichen Internetseite:




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