Monsterwelle vor Portugal

In den sozialen Medien zeigen viele Bilder und Videos gewaltige Wellen an der Küste von Nazaré in Portugal, die von den „Big-wave-Surfern“ geritten werden. Diese Extremsurfer brauchen dafür Geschicklichkeit, Kraft und Mut, aber auch die Natur und die Geographie müssen mitspielen. Und dies tun sie ganz besonders vor Nazaré in Portugal. Oft passt hier alles zusammen und es bauen sich die weltweit höchsten Wellen auf, die bisher gesurft wurden.




Im Winter sind die Wellen vor der Praia do Norte in Portugal im Mittel etwa 15 Meter hoch. An einzelnen Tagen können Surfer Wellen bis etwa 24 Meter Höhe erwischen. Der 29. Oktober 2020 war ein außergewöhnlicher Tag: Möglicherweise hat der portugiesische Surfer António Laureano eine Welle geritten, die 101,4 Fuß, entsprechend 30,9 Meter maß. Analysen von Wellenhöhen sind sehr schwierig, aber – falls bestätigt – würde die Welle den bisherigen Surfrekord mit 80 Fuß (etwa 24,4 Meter) brechen, den der Portugiese Rodrigo Koxa 2017 ebenfalls vor Nazaré aufstellte.

Wie viel Energie in den Wellen steckt, kann man im Satellitenbild vom 29. Oktober 2020 erahnen, das mit dem Operational Land Imager (OLI) am Landsat 8-Satelliten aufgenommen wurde. Das obere Bild zeigt denselben Küstenabschnitt am 05. Februar 2022 – einem typischen Wintertag.

Laut José da Silva, einem Ozeanographen an der Universität in Porto, ist der weiße Streifen an der Küste auf Schaum zurückzuführen, der durch die brechenden Wellen entsteht. Der Schaum ist in beiden Satellitenbildern sichtbar, deutlicher aber im Oktober 2020. Weiter draußen erkennt man noch schmale Streifen mit Schaum auf dem Wasser. Hier treffen zwei Strömungen zusammen.

Grün zeichnen sich im Satellitenbild durch die Wellen aufgewühlte Sedimente ab. Dieser Bereich erstreckt sich bis etwa 10 Kilometer von der Küste ins Meer. Tatsächlich haben jüngste Untersuchungen an der Universität von Porto gezeigt, dass die Sedimente durch die riesigen Wellen aufgewühlt werden und weniger durch ins Meer strömendes Wasser nach heftigen Regenfällen.

Daten vom 29. Oktober 2020 zeigen, dass die Wellenhöhe vor der Küste mehr als 6 Meter betrug mit einer Wellenperiode von 17 Sekunden. Erst dichter an der Küste steigen die Wellen weiter an und brechen hier. Im Februar 2022 waren die Wellen weiter draußen dagegen nur etwa 2 Meter hoch mit einer Wellenperiode von 11 Sekunden. Die gewaltige Dünung Ende Oktober 2020 ist unter anderem auf den ehemaligen Hurrikan WILMA zurückzuführen, der wenige Tage zuvor Florida überquert hatte und zum Seegebiet südlich von Island zog.

Mit dem Sturm allein lassen sich die Riesenwellen vor Nazaré allerdings nicht erklären. Die Wellen werden durch eine 210 Kilometer lange, tiefe Unterwasserschlucht verstärkt und gebündelt, die in der Nazaré-Bucht endet. Der Teil einer Welle, der sich in tiefem Wasser – über der Schlucht – fortbewegt, bewegt sich schneller als der Teil der Welle im flachen Schelfwasser. Dieser Geschwindigkeitsunterschied lässt die Welle scheinbar biegen – in diesem Fall nähert sie sich North Beach von Westen oder Südwesten. Diese Wellen münden schließlich in von Nordwesten kommende Wellen, die die Schlucht nie passiert haben. Das Interferenzmuster – große Welle trifft auf große Welle – kann zu den in Nazaré berühmten übergroßen Wellen führen.

Aus aller Welt kommen Besucher, um die Monsterwellen von Nazaré zu erleben und Surfwettbewerbe zu verfolgen. Aber lange bevor Garrett McNamara die Gegend 2011 als Big-Wave-Surfer bekannt machte, lebten die Menschen in dem jahrhundertealten Fischerdorf Seite an Seite mit den herrlichen Wellen. Manchmal haben sie Leid gebracht und das Leben von Fischern gefordert; zu anderen Zeiten haben sie Freude bereitet und einen Spielplatz geschaffen, der seit langem von örtlichen Internatschülern geschätzt wird.

Foto: Luís Ascenso

Ausführliche Informationen zu Unwettern aller Art und anderen Naturgewalten gibt es auf meiner umfangreichen Internetseite:




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